Night and day in Dublin

Night and day in Dublin

Der Geist ist willig und das Fleisch schwach: Temple Bar hat mit seiner magischen Anziehungskraft gesiegt: Am späten Abend  bin ich zu Fuß in das ca. 2,5 km entfernte Vergnügungsviertel Dublins losgezogen. St. Stephen´s Green, der Stadtpark, hat mich nur kurze Zeit fesseln können; etwas länger schon die Irisch/italienische Pizzeria, in der ich wieder einmal -blöd wie ich bin- abgezockt wurde. Magisch angezogen vom Schild "Pizza for 8,95 Euro"
habe ich mich in dem Etablissement niedergelassen, nur um nach der Bierbestellung zu bemerken, dass dieser Sonderpreis nur bis 17 Uhr gilt. Das Gericht des Tages, Tagliatelle mit Parmaschinken und Frühlingszwiebeln, kostete knapp das Doppelte, war aber sehr lecker. Auch der witzige Capuccino (siehe Anhang) konnte mich über meinen Ärger (vor allem über mich selbst) nur knapp hinwegtrösten.

Temple Bar war dafür aber mehr als ein Ausgleich: Zwar mag ich solche Touri-Viertel nicht sonderlich, jedoch spielte eine Straßenband (mit Geige!) so meisterlich die Hits der letzten 40 Jahre auf, dass eine Menschenmenge stehenblieb und ich gute zwei Stunden auf den Treppenstufen eines (für mich
noch) namenlosen Platzes sitzenblieb. Daneben gab es noch einen guten Ausblick auf eine blondbezopfte junge Animateuse, deren Aufgabe es eigentlich war, mit Hilfe von Flugblättern Kunden in ihr Lokal zu locken, die es aber tatsächlich aus Schüchternheit fertigbrachte, in den zwei Stunden nicht einen Zettel an Passanten loszuwerden. Dafür tauchten in regelmäßigen Abständen Koch oder Kellner an der Tür auf; nicht um wegen ihrer Arbeitslosigkeit zu schelten sondern eher, um mit der schüchternen Blondine zu schäkern.

Zum Bleiben verführten dann auch zwei junge Mädels aus Oberbayern, die sich neben mich auf die Treppenstufen drapierten und kurze Zeit später -auf
Deutsch- gegenseitig ihre Lebens- und Liebesgeschichten zum Besten brachten.
Diese Hübschen konnten es sich vermutlich nicht vorstellen, dass es außer ihnen noch weitere Deutsche auf der Insel gab und nahmen auf den vermeintlichen Iren neben ihnen keine Rücksicht. Bevor ich mit der Entscheidung ins Reine kam, mich freundlich zu offenbaren, nahmen mir diese die Entscheidung ab und verschwanden in der Menge. "Farewell, my german Ladies ..."

Nach einigen Schleifen führte mich mein mitgeführtes Motorrad-Navi (eine meiner besseren Ideen!) wieder aus dem Viertel heraus und ich widerstand den Versuchen, einen der doppelstöckigen Busse für den Nachhauseweg zu entern - der Tag war teuer genug gewesen.

Der Tusch zu dem bemerkenswerten Tag kam in der Nacht: Um vier Uhr weckte mich ein infernalischer doppelter Donnerschlag eines Gewitters - offensichtlich direkt vor meinem Fenster einschlagend. Da ich es vorgezogen hatte, bei offenem Fenster zu schlafen, war der Effekt beeindruckend - und dazu noch ziemlich einmalig, wie mir meine Account-Managerin erzählte, die in ihren gut zwei Jahren in Irland noch kein Gewitter dieser Art erlebt hat.
Übrigens auch nicht die schwüle Wärme, die mich aus allen Poren dampfend, zu Google begleitete. Aus der Erfahrung gewitzt, hatte ich nämlich das Auto vor dem Hotel stehen lassen - und wäre nach einem Kilometer einen Kanal entlang beinahe doch noch von einem Iren erlegt worden, als ich gedankenverloren eine Straße querte. Linksfahren mag ja zu erlernen sein, aber das von Kindheit gewohnte "erst nach links schauen, dann nach rechts, dann wieder links" nicht so schnell umzuprogrammieren. Dabei haben sich die Iren mit der Fürsorge für die dummen Kontinental-Europäer durch überall auf den Boden gepinselte "Look right"-Markierungen wirklich viel Mühe gegeben, solche Unfälle zu vermeiden.

Der Tag bei Google war wieder recht spannend - wenn ich keine Internas erzähle, so liegt das daran, dass ich eine Policy unterschreiben musste, solche nicht auszuplaudern. Da auch die Vortragenden nicht bereit waren, irgendwelche Geheimnisse auszuplaudern, ist mir zwar nicht klar, was ich nicht schreiben dürfte - vielleicht Eindrücke über die wirklich gute Laune des Google-Jungvolkes, die prima Arbeitsatmosphäre, den Teamgeist oder die excellente Kantine. Also: Bitte nicht weitererzählen!
Gute drei intensive Diskussionsstunden mit dem netten Accountteam, sowie dem Content-Manager und vielen neuen Ideen beendeten den Arbeits-Tag um kurz vor 18 Uhr. Auf dem Heimweg verbesserte ich den Kontakt zu den Einheimischen, als ich als dritter Mann entscheidend half, ein Boot mit älterer Zweimannbesatzung mit zwei Leinen aus dem Schlamm des besagten Kanals zu treideln - wobei ich mir prompt meine helle Jacke versaute. Meine witzig gemeinte Bemerkung über die "Power of 100kg german muscles - and fat" wurde bemerkenswert ernsthaft aufgenommen und die Aktion mit Erfolg und einem netten Plausch beendet.

Jetzt muss wieder die Entscheidung fallen: Essen oder nicht? Vermutlich wird wieder Chef Bauch siegen - wir werden sehen... und davon erzählen ...
demnächst ...^^

Bis dahin schöne Grüße aus Dublin
Wolfgang

Tags: Blog,

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