I love you, Ireland
I love you, Ireland
Das war er also schon fast, der zweite Tag bei Google in Irland. Dabei habe ich über Tag eins noch gar nicht komplett berichtet: Anders als geplant habe ich mich nämlich nicht in das Dubliner Vergnügungsviertel Temple bar gestürzt sondern bin ganz solide nach Howth hinausgefahren und habe bei ausgedehnten Spaziergängen die nähere Umgebung dieses ehemaligen Fischernestes erkundet.
Und an dem Abend hat es mich schon erwischt: Irland ist traumhaft... Von der Aussicht von schroffen Felsen aus, über die luxuriösen Heimstätten wohlhabender Iren (Nach dem deutlich sichtbaren Motto "My Home is my
Castle") bis hin zu den superfreundlichen Gastgebern in einem irischen Pub, bei denen ich eines der besten Abendessen der letzten Jahre gegessen und fleissig Milieustudien betrieben habe. Mit einer kleinen Einschränkung: Da ich mit dem Pkw unterwegs war, fragte ich nach alkoholfreiem Bier - und bekam Erdinger serviert... Die Heimat schien sich nachdrücklich in Erinnerung bringen zu wollen.^^
Ein toller Sonnenuntergang ließ mich kaum von Howth Abschied nehmen - aber ich komme ja wieder, irgendwann...
Der Rückweg führte dann doch über Temple Bar, wo trotz der fortgeschrittenen Zeit noch die Hölle los war - ich glaube, ich muss da doch noch mal hin.
Trotz eines lautstark und ganztägig fernsehhörenden Zimmernachbarn habe ich wie ein Murmeltier zum ersten Mal in Irland geschlafen.
Tag zwei begann dann mit einem fulminanten traditionellen irischen
Frühstück: Kaffee, Müsli, zwei Scheiben gebratenen Schinken, zwei Würstchen, ein Spiegelei und etwas, das wie kleine Scheiben Pumpernickel aussah, aber wohl doch zur Kategorie Würstchen gehörte. Dazu zwei Scheiben Toast. Die Morgen-Speisekarte wurde in einem dunkel gebeizten flachen Holzbrett geliefert und machte schon Appetit auf die nächsten Morgen-Orgien - vielleicht mit Ausnahme des Porridges, den ich wegen schlechter Kindheitserinnerungen ablehnen werde.
Dann ging´s endlich ab zu Google in die Barrow Street; per Auto und mit einem ordentlichen Zeitpolster für etwaige Unwägbarkeiten. Das wurde dann auch dringend gebraucht, weil die Parksituation noch strenger als in Good old Germany ist: Keine Parkhäuser aber saftige Parkgebühren. Da Google trotz aufopferungsvoller Bemühungen meiner Ansprechpartnerin keine Parkplätze zur Verfügung stellen konnte, blieb mir nur das Parken zu 2,40 Euro/Stunde mit einer Höchstparkdauer von 3 Stunden. Nach dem Nachwerfen bin ich dann kaum noch in das Gebäude zurückgekommen, da die Sicherheitsvorkehrungen des Suchmaschinenriesen dem der Bannmeile in Berlin gleichen.
Schock am Morgen: Was ich schon insgeheim befürchtet hatte, traf beim ersten Seminar prompt ein. Ein Muttersprachler hielt in Maschinengewehrgeschwindigkeit Vortrag und ich verstand in den ersten Minuten buchstäblich nix. Nach einigem "Einhören" steigerte sich die Quote allerdings auf über 50% und den Rest konnte ich mir irgendwie zusammenreimen. Das war allerdings so anstrengend, dass ich nicht dazu kam, mir eine meiner neugierigen Fragen zu überlegen und sie sicherheitshalber schon vorher in Gedanken zu übersetzen. Wenn ich nämlich so weit war, hatte ich inzwischen Teile des Vortrages verpasst, war das Thema schon wieder ein ganz anderes und ich konnte mir nie sicher sein, ob nicht jemand zuvor die gleiche Frage gestellt hatte und ich mich damit unsterblich blamieren würde.
Also hielt ich die Klappe und bekam allmählich Panik vor der restlichen Zeit.
Was unbegründet war: Den nächsten Vortrag hielten zwei deutschsprachige Mädels und waren bestens zu verstehen. Ebenso danach ein dunkelhäutiger Landsmann, der ebenfalls Oxford-Englisch sprach und mich aufgrund seiner provokanten Thesen zu einigen gestammelten Einwürfen reizte. Und das war ein guter Aufgalopp zu dem Abschlussmeeting mit dem französischen Unit-Leiter, bei dem ich schon ungenierter mitschwätzte - vielleicht werde ich einfach schneller mit dem Vorbereiten der Stammelsätze ...^^
Überhaupt das Google-Personal: Jung, smart , gebildet und selbstbewusst - und das durch die Bank. Als älterer Herr wird man schon geradezu peinlich höflich behandelt, es fehlt nur noch, dass man dem Greis den Arm zur Unterstützung beim Gehen hinhält. Eigentlich will man mit dem Jungvolk ja nur nett schwätzen, das fällt bei der respektvollen Distanzg aber eher schwer. Mal sehen, ob ich das Eis noch gebrochen bekomme...^^
So, das war der Report von Tag zwei; die Kollegen sind in der Qcean-Bar und ich habe mich abgeseilt, um den Text zu schreiben und noch ein bisschen zu arbeiten. Nachher werde ich mir wohl noch irgendeinen Pub suchen und mir etwas zwischen die Zähne schieben. Mal sehen, wo ich dann da landen werde.
Das erzähle ich dann morgen...^^
Wolfgang
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