Abschied - und ...???
Abschied - und ...???
Der "Fahrende Ritter" ist bekannt? Seit gestern abend weiß ich, woher Joanne K. Rowling die Vorlage für den verrückten Doppeldeckerbus in Harry Potter hat. Ob der Blasen an meinen Füßen wollte ich mich nämlich an mein nächstes Abenteuer in Dublin wagen, an einen Busfahrt mit den grün-gelben Dubliner Doppeldeckern. Durch intensives Fahrplanstudium bekam ich immerhin heraus, dass erwartet wird, das Fahrgeld abgezählt bereit zu halten. Vom Fahrer lernte ich dann weitere Kniffe: Die Hand an der Haltestelle herauszustrecken, wenn man mitfahren will und das Fahrgeld in einen Schlitz am Schalter einzuwerfen. Der letzte Tipp kam dann am anderen Tag noch von meiner Google-Account-Managerin: Beim Aussteigen freundlich grüßen.
Was mic schon ein bisschen verwundert: Die Frühstücksgäste würdigen mich morgens keines Blickes (zum Glück nicht nur mich) und reagieren auch nicht auf ein freundliches "Have a nice day". Da muss ich morgen noch herausfinden, ob das vielleicht ein gesellschaftlicher Fauxpas ist.
Das Abendessen nahm ich in einem tschechischen Lokal am Rande von Temple Bar ein, das mich mit Pilsener Urquell angelockt hatte - wieder sehr teuer aber auch sehr reichlich. Da ich die Stage der Linie 10 nicht wiederfand (was nicht am Bier lag!), musste ich auf schmerzenden Füßen wieder nach Hause humpeln.
Der Morgen begann zur Abwechslung mal nicht mit einem irischen Frühstück sondern mit "Waffels" - zuckersüßen Waffeln mit ein bisschen Früchten.
Ungewohnt, aber zur Abwechslung ganz nett. Der Tag bei Google hatte es dann aber buchstäblich in sich: "Advanced Analytics" zeigte mir, dass ich doch noch nicht der Analytics-Guru war, für den ich mich hielt; wobei das Parallelseminar noch den echten Cracks vorbehalten war. Die beiden Seminarleiterinnen waren -typisch für Google- sehr, sehr klug und smart, redeten wie die Feuerwehr; aber leisteten sich den üblen Schnitzer vorzugeben, nicht die Quote an Browsern zu wissen, die die Google-Cookies nicht speichern oder am Ende der Session löschen. Glatt vorgetragen aber unglaubwürdig, Ladies! Bei dieser für Google zentralen Frage gibt es garantiert Studien und Zahlen.
Was solls - auch die Google-Experten sind in Sachen Google keine Übermenschen, auch wenn man in der Fragestunde durchaus den Eindruck haben konnte. Da waren sie alle, die Gurus ihre jeweiligen Fachgebietes und glänzten mit ihrem Wissen. Wieder einmal sehr beeindruckend, noch junge Menschen zu erleben, die gut ausgebildet, sehr selbstsicher und mit dem gewissen "Google-Spirit" beseelt sind. Chapeau, Google - mit solchen Mitarbeitern muss keiner Firma vor der Zukunft bange sein.
Das wie gewohnt excellente Mittagessen beschloß die insgesamt äußerst interessante Veranstaltung. Es war die absolut richtige Entscheidung, diese vier Tage zu investieren auch und vor allem, um seinen Horizont in vielerlei Hinsicht zu erweitern und auf neue Gedanken zu kommen.
Für die zweite Tageshälfte hatte ich mir dann einen etwas längeren Ausflug vorgenommen, zu dem knapp 25km entfernten Powerscourt in Enniskerry. Und hier machte mir Irland den bevorstehenden Abschied noch einmal richtig schwer. Wer Gärten, vor allem englische Gärten mag wie ich, für den ist der Powerscourt Garden ein Traum. Mehrere hundert Jahre alt, ist er mit uraltem riesigen Baumbestand besetzt; hat unzählige versteckte Abteilungen, die immer wieder hinter einer Wegbiegung überraschend auftauchen. Englischer Rasen hat für mich seither eine völlig neue Bedeutung. Hersteller, die solche einen feinen grünen Teppich reproduzieren könnten, würden steinreich werden. Die Gräser strahlten superfein, superdicht und supergrün im strahlenden Sonnenlicht, so dass man gar nicht anders konnte, als seine nackten Füße damit zu verwöhnen.
Spektakulär war vor allen Dingen auch die Einbindung der Hügel-Silhouette des Sugar Loafe in das Gesamtbild - was von den Fotos vermutlich gar nicht richtig eingefangen werden kann. Die drei Stunden bis zur Schließung des Gartens waren jedenfalls viel zu kurz.
Was soll ich sagen? Zur Krönung zeigte sich zum Abschluss dann noch ein herrlicher Regenbogen über der Hügelkette - das war schon fast übertrieben, Irland...^^
Für den Rückweg wählte ich die Küstenstraße, in der Hoffnung, ein nettes Lokal für das letzte Dinner zu finden. Und wurde nicht enttäuscht: in dem von der Finanzkrise deutlich geschüttelten Kilcoole fand ich Lee´s, eine richtig nette Lounge mit -und das ist nicht zuletzt eines der bemerkenswertesten Eigenschaften von Irland- äußerst gastfreundlichen Gastgebern. Da es mein letztes Abendessen in Irland war, musste ich anstandshalber das traditionelle Essen der Iren probieren: Fish and Chips.
Und siehe da: Auch mir, als nicht unbedingtem Fischfreund schmeckte es einfach hervorragend. Vielleicht oder gerade weil ich Ketchup oder Vinegar schaudernd ablehnte?
Auf der Rückfahrt war die Fahndung nach einigen sensationellen Ausblicken auf Meer und Stadt wieder erfolgreich, auch wenn die Vielzahl der "to let"-Schilder von Cottages in absoluter fantastischer Aussichtslage einerseits nachdenklich, andererseits begehrlich stimmte. Freiwillig gibt niemand solche Kleinode auf - ich befürchte, dass Irland und viele seiner Iren noch einen harten Gang durch die Krise vor sich haben. Aber wie ich Land und Leute in den wenigen Stunden kennengelernt habe, bin ich sicher, dass sie das besser schaffen als viele andere Nationen in Europa.
Morgen ist die Episode Google + Irland mit ganz viel Dur- und wenigen Moll-Tönen für mich beendet. Wenn´s irgendwie geht, werde ich wiederkommen - aber dann nicht alleine ... Good bye and thank you, Ireland - and Google.
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